Wer für Kinder kocht, steht immer wieder vor wichtigen Fragen. Die hier folgenden wurden anlässlich des Beobachter-Telefontermins am häufigsten gestellt:
1. Ich möchte mein Kind gerne fleischlos ernähren. Was muss ich beachten?
Für die Kinderernährung wird ein mässiger Fleischkonsum empfohlen. Allerdings reichen bereits zwei bis drei kleine Portionen Fleisch pro Woche aus, damit der kindliche Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Zum Beispiel mit Eisen: Denn Eisen aus Pflanzen kann vom Körper viel schlechter aufgenommen werden kann als solches aus Fleisch. Wer auf Fleisch verzichtet, sollte auch darauf achten, den Eiweissbedarf anders zu decken, zum Beispiel mit Milch, Milchprodukten, Eiern oder Hülsenfrüchten.
2. Wie beuge ich einem Eisenmangel vor, wenn mein Kind absolut kein Fleisch essen möchte?
Gute pflanzliche Eisenquellen sind Hülsenfrüchte, lange aufgegangenes Vollkornbrot, grünes Blattgemüse, Brokkoli, Fenchel, Schwarzwurzeln und Nüsse. Ihr Kind nimmt das pflanzliche Eisen besser auf, wenn es dazu ein Glas Orangensaft trinkt. Trotzdem kann ihr Kind in einem grossen Wachstumsschub einen Eisenmangel bekommen. Ein solcher macht müde, anfällig für Infektionen und mindert die Leistungsfähigkeit. Damit er rasch erkannt und behoben wird, sollte Ihr Kinderarzt einmal pro Jahr den Hämoglobingehalt im Blut Ihres Kindes bestimmen.
3. Wie lange braucht ein Kind einen Milchschoppen?
Milch bleibt auch nach dem ersten Lebensjahr ein wichtiger Bestandteil, denn sie liefert wichtige Nährstoffe wie Eiweiss und Kalzium. Ein ein- bis sechsjähriges Kind braucht rund 3 bis 3,5 dl Milch pro Tag. Sobald ein Kind von der motorischen Entwicklung her in der Lage ist, aus einem Becher zu trinken, sollte die Babyflasche ersetzt werden. Sonst besteht die Gefahr des Dauernuckelns, was zu Karies führen kann. Wenn Ihr Kind trotzdem sehr am Schoppen hängt, sollten sie ihm diesen nur so lange überlassen, bis es ausgetrunken hat.
4. Mein 15 Monate altes Kind nimmt neue Lebensmittel in den Mund und spuckt sie nach kurzer Zeit wieder aus. Was bedeutet dieses Verhalten?
Ein Kind muss ein neues Lebensmittel 10- bis 15-mal probieren, bis es sich an den unbekannten Geschmack gewöhnt hat. Genau das tut ihr Kind, es verhält sich also ganz normal. Kochen Sie normal weiter, gehen Sie mit gutem Beispiel voran, essen Sie mit Ihrem Kind. So merkt es, dass es normal ist, die von ihm ausgespuckten Lebensmittel fertig zu essen.
5. Kaum hat mein zweijähriger Sohn den ersten Hunger befriedigt, möchte er aufstehen und wieder spielen gehen. Was kann ich tun?
Stillsitzen fällt vielen Kindern schwer, vor allem wenn der erste Hunger schon gestillt wurde. Denn Spielen ist eindeutig spannender. Ihr Sohn kann sich besser von seinem Spiel trennen, wenn Sie das Essen vorankündigen, anstatt ihn zur Essenszeit abrupt von seiner Tätigkeit wegzureissen. Loben Sie ihn, wenn ihm das Sitzen bleiben gut gelingt. Wenn es gar nicht geht, geben Sie Ihm ein kleines Spielzeug oder ein Büchlein an den Tisch.
6. Wann sollte mein Baby seinen ersten Brei erhalten?
Zwischen 4 und 6 Monaten ist der Zeitpunkt gekommen, wo Ihr Baby mehr als nur Muttermilch oder einen Säuglingsschoppen erhalten sollte. Babys mit Allergierisiko sollten besser 6 Monate warten. Für alle andern gilt: Solange es mit der Milch satt und zufrieden wirkt, können Sie mit dem ersten Brei noch warten, bis es 5 oder noch besser 6 Monate alt ist. Danach zeigen häufig auch schon die ersten Zähne und das Verhalten Ihres Babys an, dass jetzt die Zeit für festere Nahrung gekommen ist.
7. Ich habe gehört, dass ich Plastikschoppen nicht im Mikrowellenofen erhitzen sollte. Was ist davon zu halten?
Plastikschoppen bestehen fast immer aus Polycarbonat. Wird dieser im Mikrowellenofen erhitzt, kann sich daraus Bisphenol A abspalten, ein hormonähnlicher Stoff. Davon sollten Babys möglichst wenig bekommen. Wer eine Glasflasche besitzt oder die Plastikflasche nicht im Mikrowellenofen erhitzt, geht dieses Risiko nicht ein.
8. Meine Kinder essen eigentlich recht gut, verweigern aber Gratins und Eintöpfe, vor allem wenn sie Vollkorngetreide erhalten. Was kann ich tun?
Kinder essen sehr viel stärker mit allen fünf Sinnen als Erwachsene. Sie mögen verschiedene Farben, Formen, Gerüche und Geschmacksrichtungen auf ihrem Teller. Gratins und Eintöpfe stellen hingegen eher ein Mischmasch verschiedener Farben und Geschmacksrichtungen dar. Vollkorngetreide ist zwar gesund, von der Farbe her jedoch erst recht nicht ansprechend. Kochen Sie die einzelnen Lebensmittel lieber getrennt und richten Sie alles ansprechend an.
9. Mein Kind mäkelt ständig am Essen herum. So habe ich überhaupt keine Lust mehr, zu kochen. Was kann ich tun?
Vermeiden Sie Machtkämpfe am Esstisch. Sagen Sie ruhig aber bestimmt, dass Sie das Mäkeln Ihres Kindes frustriert. Lassen Sie jedes Familienmitglied eine Liste der abgewählten Lebensmittel machen. Das geht so: alle dürfen z.B. drei Lebensmittel abwählen, die sie nicht mögen. Darauf nehmen Sie beim Kochen Rücksicht. Alles andere wird zumindest probiert. Denn grundsätzlich gilt, dass Sie bestimmen, was auf den Tisch kommt. Ihr Kind hingegen bestimmt, wie viel es davon essen mag.
10. Ich musste als Kind meinen Teller leer essen. Warum wird das heute nicht mehr empfohlen?
Eigentlich kennen Kinder ihre Körpersignale wie Hunger, Durst oder Sättigung ganz genau. Wenn man sie aber ständig zwingt, den Teller leer zu essen, gewöhnt man sie früh daran, ihre Körpersignale zu übersehen. Das fördert die Entstehung von Übergewicht. In der Schweiz ist bereits jedes fünfte Mädchen und jeder vierte Junge zu dick.